Psychische Gesundheit stärken: Selbstfürsorge für Eltern von Kindern mit Behinderung

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Gerade für Eltern ist Selbstfürsorge wichtig und sollte nicht vernachlässigt werden. Für Eltern von Kindern mit Behinderung fehlt es oft an Ressourcen, um dieser nachzukommen – mit Folgen für das gesamte System. Warum Selbstfürsorge für Eltern im Allgemeinen und Eltern von Kindern mit Behinderung im Besonderen so relevant ist, was passiert, wenn diese zu kurz kommt, und wie man dem entgegenwirkt, damit befasst sich dieser Blogbeitrag.

Selbstfürsorge stärken: Ein wichtiger Schutzfaktor für die psychische Gesundheit

Die Bedürfnisse des Nachwuchses stehen im Fokus – je jünger, desto mehr. Das hat Mutter Natur geschickt eingerichtet und ist auch gut so. Finden die eigenen Bedürfnisse allerdings dauerhaft keinen Raum mehr, ist das alles andere als sinnvoll. Das Risiko auszubrennen, steigt dann nämlich an. Stichwort: emotionale und/oder körperliche Erschöpfung!

Eine solche kann sich unterschiedlich bemerkbar machen:

  • Müdigkeit, Energie- und Lustlosigkeit
  • Unkonzentriertheit
  • Überforderung und Selbstzweifel
  • Unausgeglichenheit, Stimmungsschwankungen und Aggressionen
  • innere Leere und Distanz
  • vermehrte Traurigkeit
  • Rückzug und Isolation
  • Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Magen-Darm-Problem


Selbstfürsorge hat immer auch mit Priorisierung zu tun. Die eigene Zufriedenheit und das Wohlbefinden des Kindes sollten gleichermaßen berücksichtigt werden. Erst danach kommt alles andere! Es gilt demnach, die eigenen Bedürfnisse zu spüren und umzusetzen, ohne dass dem Kind dadurch ein Nachteil entsteht. Wie das konkret aussieht, ist individuell verschieden.

Schon unter „normalen“ Umständen kann Selbstfürsorge als Elternteil schwierig genug sein. Bringt das Kind allerdings besondere Bedürfnisse mit, ist sie oftmals sogar noch ein ganzes Stück herausfordernder.

Selbstfürsorge trotz hoher Belastung: Herausforderungen für Eltern von Kindern mit Behinderung

Mit einem besonderen Kind ist der Alltag oft noch mehr gefüllt, als das bei den meisten Familien ohnehin schon der Fall ist. Zum normalen Wahnsinn kommen Pflege, Therapien, Arzttermine, Krankenhausaufenthalte, bürokratische Aufgaben und spezielle Förderung hinzu. Auch die Aufsichtspflicht für das Kind geht in der Regel über ein normales Ausmaß hinaus. All das kann ganz schön an die Substanz gehen. Sind Geschwisterkinder vorhanden, läuft das schlechte Gewissen häufig mit, wenn diese eigentlich mehr Ressourcen bräuchten als zur Verfügung stehen. Nicht zuletzt wird der immense Mehraufwand von außen oft gar nicht gesehen, beziehungsweise kann er mangels Erfahrung und aufgrund fehlender Inklusion meist gar nicht eingeschätzt werden. Aus Scham oder Überforderung wird darüber häufig auch nicht gesprochen. Nach und nach brennen betroffene Elternteile aus – oft, ohne es überhaupt zu merken. Im schlimmsten Fall geht dann irgendwann gar nichts mehr! Um das zu verhindern, braucht es regelmäßige Me-Time, die die Energiespeicher wieder auffüllt. Leider entsteht hier ein Teufelskreis. In Familien mit Kindern mit besonderen Bedürfnissen ist Selbstfürsorge nämlich häufig das Erste, was gestrichen wird, wenn es wieder einmal drunter und drüber geht. Ein Umstand, der weder so sein müsste noch sollte …

Selbstfürsorge im Familienalltag: Freiräume für Erholung und neue Kraft schaffen

Die eigene Selbstfürsorge zu vernachlässigen, wirkt sich langfristig negativ aus. Schließlich ist sie es, die uns mit jener Energie versorgt, die wir im Alltag so dringend brauchen. Am besten gelingt sie in der Zeit, in der das Kind von jemand anderem betreut wird. Ist das nicht der Fall, finden sich aber ebenfalls Möglichkeiten, kleine Ruheinseln für sich selbst zu schaffen.

Was Selbstfürsorge ausmacht: Du musst die Zeit bewusst für dich selbst nutzen und darfst währenddessen nichts anderweitig organisieren oder erledigen. Lerne, all die Dinge, die liegen bleiben, getrost zu ignorieren. Sie laufen sowieso nicht davon!

Die folgenden Vorschläge, Selbstfürsorge im Alltag zu integrieren, sind bewusst allgemein gehalten und dürfen nach Belieben individualisiert werden.

Eines vorab: Damit Selbstfürsorge überhaupt auf fruchtbaren Boden fällt, ist es wichtig, dass deine Grundbedürfnisse erfüllt sind.

  • Ausreichender Schlaf: Schlaf hat Vorrang vor allem anderen!
  • Regelmäßige Mahlzeiten: Vernachlässige die Mahlzeiten nicht, indem du nebenbei isst, sondern nimm dir bewusst Zeit dafür.
  • Emotionale Grundbedürfnisse: Verbringe regelmäßige Quality-Time mit der Partnerin oder dem Partner beziehungsweise anderen nahestehenden Menschen.


Selbstfürsorge – mit diesen Techniken gelingt sie spielend

1. Alltagsrituale

Ob ein warmes Bad, ein gutes Buch, der Lieblingstee oder eine halbe Stunde Yoga – halte an regelmäßigen Alltagsritualen fest, denn sie geben Halt und Sicherheit. Damit sich ein positiver Effekt einstellt, sollte es möglichst zu keinen Unterbrechungen kommen. Zeit dafür findest du, wenn das Kind schläft oder fremdbetreut ist.

2. Medien-Detox

Eine intensive Mediennutzung kann Stress verursachen. Demnach ist der bewusste Verzicht auf technische Geräte nicht nur eine einfache Möglichkeit, um Stress abzubauen, er erleichtert es auch, wieder mit sich selbst in Kontakt zu kommen.

3. Kleiner Alltagsurlaub

Kleinen Alltagsfluchten zwischendurch tun einfach gut. Diese können variieren und sind auch prima neben dem Kind machbar. Falls du ein wenig Inspiration brauchst:

  • Lass dir kurz die Sonne ins Gesicht scheinen und schließe dabei die Augen.
  • Dehne bewusst deinen Körper.
  • Atme achtsam.
  • Höre dein Lieblingslied.
  • Genieße eine Tasse Kaffee oder Tee.
  • Telefoniere mit einer lieben Person.


4. Mach dir selbst ein Geschenk

Gönne dir etwas, worauf du im Zweifelsfall eher verzichtest. Ob das ein Stück Torte aus der Konditorei, das teure Parfum oder ein geselliger Abend mit Freunden ist – Hauptsache, dein Geschenk an dich selbst bereitet dir Freude.

5. Übe dich im Nein-Sagen

Grenzen zu setzen und bewusst Nein zu sagen, schafft Raum und Ressourcen, die du für dich selbst nutzen kannst. Nimm dir also Zeit, um in Ruhe zu überlegen, ob du einer Bitte oder Aufforderung nachkommen kannst und willst, statt gleich zuzusagen und eventuell in die Überforderung zu gehen. Du musst nicht alles schultern.

6. Glücksmomente-Tagebuch

Notiere regelmäßig die großen und kleinen Glücksmomente des Alltags. Das sorgt nicht nur dafür, dass du sie dir jederzeit bewusst machen kannst, sondern auch, dass du dich im hektischen Alltag mehr auf das Positive fokussierst.

Hast du das Gefühl, dass du individuellere Tools brauchst? Fühlst du dich im Alltag so überfordert, dass du Redebedarf hast? Ich biete psychosoziale Beratung für Eltern von Kindern mit Behinderung an. Zögere nicht, mich zu kontaktieren.


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